Projekt "Dorfschell"



Bruschied, 01.02.2023/p.a.

Entlang der Grenze von Prubesdervot

... und das ganz ohne NAVI

Zugegeben, es klingt vielleicht etwas überhöht. Aber gemeint sind natürlich die territorialen Grenzen von Bruschied (Prubesdervot), die in diesem kleinen Beitrag aus einer historischen Sicht betrachtet werden sollen. Der erste Gedanke führt sogleich zur Etymologie des Wortes "Grenze". Schnell stellt sich heraus, dass es dieses Wort im Sprachgebrauch nicht vor dem 15. Jhd. gab. Ursprünglich stammte es aus dem Altslawischen und lautete dort "granica".

Doch was war mit den Grenzbeschreibungen vor dieser Zeit?

Eines steht wohl fest: es dürfte recht schwierig gewesen sein, das Grenzland eines Herrschaftsgebietes näher zu bezeichnen. Kein GPS, keinerlei Hinweis-, Weg- oder Ortsschilder, die quasi eine Art Raumordnung oder gar eine Orientierung ermöglichten. Grenzsteine - auch Marksteine genannt - wurden erst später auf unserer Gemarkung üblich. 

Aber da war ja der Begriff "Mark". Er entstammt dem Mittelhochdeutschen und war bereits viel früher in Gebrauch. Schon zur Zeit der Karolinger (751 bis 911 n.Chr.) bezeichnete man auf diese Weise seine Hoheitsgebiete und fasste sie in einer Art geografischer Beschreibung zusammen. Diese Vorgehensweise blieb über Jahrhunderte bestehen. Der "Trick" war nämlich, dass man sich an sog. Landmarken (!!!) wie Bergrücken, Bachläufen, alten Straßen oder an Felsen, Bäumen und Gebäudlichkeiten orientierte, wie z.B. am Standort alter Mühlen. Die so erfassten Punkte waren nicht nur Grenzpunkte, sie besaßen auch Rechtscharakter. Mit ihnen wurden beispielsweise die Zuständigkeiten für die örtliche Gerichtsbarkeit festgelegt. 

Fabricius (1901) hat in seinem Buch über "Das Hochgericht Rhaunen" eine solch´ frühe Grenzbeschreibung eindrucksvoll dokumentiert. Sie hält in altertümlicher Sprach- und Schreibweise bestimmte Grenzmarken fest, wie sie zu dieser Zeit (1469) üblich waren. Das Foto rechts zeigt einen solchen Text, der - neben anderen Ortschaften - auch die  Bruschieder Grenzen beschreibt, wie Fabricius dort ausführt. Es beginnt mit dem Bergrücken, den wir heute als Lützelsoon kennen (Lansteyn), führt diesen entlang in Richtung Süden, anschließend über eine "Rinne" hinunter ins Tal bis zum Hahnenbach. Von dort aus immer weiter den Bach entlang, unterhalb der Schmidtburg vorbei bis hin zum sog. "Sulczenbach". Danach die "alt Straiß" wieder hinauf zum eigentlichen Ausgangspunkt  - dem "Lanstein". 

 

Wer die Gegend kennt, dem wird sofort auffallen, dass hier etwas nicht stimmt. Denn diese alte Beschreibung beinhaltet aus heutiger Sicht ZWEI Gemarkungen, nämlich die von Bruschied und jene von Schneppenbach. Das wirft die Frage auf: "Kann das wirklich so sein?"

Die Antwort lautet: Ja! Denn damals existierten auf diesem Territorium zwei "winzige" Ansiedlungen, die sog. Freihöfe. Sie wurden auch als Bannhöfe bezeichnet und befanden sich auf ein und demselben Rodungsgebiet, das als Prubesdervot in den Urkunden aufgeführt wurde. Fabricius (1901, 42) schreibt dazu wörtlich: "Bruschied, früher Prorschied, 1268 Probsterade, 1426 Proistrot, bildete mit Schneppenbach eine Gemarkung...". Erst später wurde dieses Land in zwei getrennte Siedlungen aufgeteilt, wie wir sie heute kennen.

Übrigens - entlang dieser alten Pfade führen auch heute noch einige besonders schöne Wanderstrecken. Wer z.B. über den schmalen Fußweg auf der Höhe des Lützeloons schlendert, der sei daran erinnert, dass sich unter seinen Füßen ein Teil dieser nahezu 1000-jährigen Grenze erstreckt, die bis zum heutigen Tage den östlichen Gemarkungsbereich von Bruschied bildet. 

Fabricius (1901, 43), Das Hochgericht Rhaunen (Auszug)
Fabricius (1901, 43), Das Hochgericht Rhaunen (Auszug)


Bruschied, 25.01.2023/p.a.

Eine Handschrift aus dem letzten Jahrhundert

Im digitalen Zeitalter werden sie wohl immer weniger. Handgeschriebene Schriftstücke. Was in früheren Zeiten eine besondere Kunst und Ausdruck von Bildung war, das scheint heute nicht mehr so wichtig zu sein. Man hat schließlich seine Schreibprogramme oder nutzt ein Sprachprogramm, das das gesprochene Wort in Schrift umwandelt und auf den Bildschirm zaubert. Die künstliche Intelligenz (KI) macht es neuerdings sogar möglich, dass man sich von einem "BOT" seine gewünschten Ausführungen erstellen lässt - fast ohne eigenes interaktives Zutun. Doch eine Handschrift ist nicht nur banales Dahin-Schreiben. Etwas mit der Hand zu Papier zu bringen erfordert spezielle motorische und kognitive Fähigkeiten. Auch lassen sich aus einer Handschrift vielfältige Informationen über den oder die Verfasser herauslesen. Sie vermittelt die Gefühle ihrer Schreiber/Schreiberinnen und offenbaren gleichzeitig ein Stück ihrer Individualität. Letztlich gibt sie auch Auskunft darüber, was dem Schreiber wichtig gewesen ist und was ihn bewegt hat. Ein Beispiel einer solch  besonderen Handschrift ist die des ehemaligen Pfarrers Dickel. Er hatte von 1919 bis Ende 1951 die Pfarrstelle in Bruschied inne und verfasste in dieser Zeit eine handgeschriebene Chronik über unseren Ort. Aus dieser Chronik soll hier ein kleiner Teil vorgestellt werden, der in das Jahr 1923 zurückführt. Es ist ein Jahr großer politischer Umwälzungen und völligen wirtschaftlichen Niederganges. Insbesondere die unvorstellbar hohe Inflation prägte diese Zeit.

Pfarrer Dickel schreibt dazu von seinen ganz persönlichen Erlebnissen und dem Umgang mit der Hyper-Inflation, aber auch von der Unterstützung, die er in dieser Zeit erhalten hat. So heißt es dort:

„Das Pfarrgehalt stieg zu Millionen, Milliarden und schließlich zu Billionen an. Da der Bahn = und Geldverkehr durch die Post lahmgelegt war, wurden die Gelder durch Boten an die Dechanten, von diesen ebenfalls durch Boten an die einzelnen Pfarrer geschickt. Bis es dann nach Bruschied kam, hatte es nicht mehr den Wert, um damit ein Pfund Butter bezahlen zu können. Nur gegen Sachwerte war noch etwas zu bekommen. Der Pfarrer konnte diese Zeit nur deshalb einigermaßen gut überstehen, weil er aus Amerika Dollarstipendien bekam. Der Bruder Amon Peitz an der Duquesne University in Pittsburgh[1], dessen Vater aus Schneppenbach stammte, und die dortige Familie Schuhgeschäft Wagner aus Bruschied stammend halfen nach Kräften, ebenso auch der von Bruschied nach London ausgewanderte Bäcker Jakob Stein…“. 

[1] Private katholische Universität in Pittsburgh, 1878 gegründet - besteht bis heute fort.

Dickel´sche Chronik, Auszug aus Band II, Seite 144, geschrieben in Sütterlin
Dickel´sche Chronik, Auszug aus Band II, Seite 144, geschrieben in Sütterlin


Bruschied, 22.01.2023/p.a.

Am Freitag kam der Schnee

Ja, es gibt sie noch - die winterlichen Zutaten. Bei aller Diskussion um den Klimawandel und dem damit einhergehenden Anstieg der allgemeinen - auch globalen - Temperaturen, hätte man schon fast der Meinung sein können, dass die Winterboten 2022/2023 ausfallen könnten. Denn Weihnachten bei 10 Grad und Silvester bei 12 Grad plus waren schon bemerkenswert. Wer zu diesem Zeitpunkt in der Natur unterwegs war, der konnte es auch feststellen: Die ersten Haselnusspollen hatten sich bereits Anfang Januar auf ihren Flug gemacht und in den Wiesen waren hier und da erste Gänseblümchen zu sehen. Aber Mitte Januar sollte sich all dies gründlich ändern. Die Meteorologen hatten etwa für diese Zeit Temperaturen von bis zu minus 8 Grad vorausgesagt. Danach war starker Schneefall gemeldet. Und tatsächlich, am Freitagnachmittag (20. Januar) war es dann soweit. Innerhalb weniger Stunden fielen bis zu 17 cm Schnee und es schien, als wolle es nicht enden. Die ganze Nacht über schneite es leicht weiter. Am frühen Samstagmorgen war die weiße Pracht in ihrem ganzen Ausmaß zu sehen, wie die Bilder schnell erkennen lassen.

Ein Blick in die "Sozialen Medien" zeigte, dass der Schneeeinbruch ein großes Thema war. Viele hatten in ihren Statusmitteilungen das Thema "Winter" und 

seine winterlichen Impressionen aufgegriffen. Andere verabredeten sich, um mit ihren Kindern zum Schlittenfahren zu gehen, während wieder Andere mit Schneeschaufeln beschäftigt waren. 

Schnee war jedenfalls mehr als ausreichend vorhanden.

Anders als an Weihnachten. Was wäre dies wohl für ein "Weihnachtsbilderbuch-Wetter" gewesen - so war hier und da zu hören.

 



Bruschied, 13.01.2023/p.a.

Einer steht fest

Heute war es bereits im Amtsblatt - wie es hier so schön betitelt wird - nachzulesen. Nach dem überraschenden Rücktritt von seinem Mandat im hiesigen Gemeinderat (siehe Dorfschell-Artikel vom 23.12.2022) steht nun der erste Nachrücker für Guido Fabian fest.

Es ist Herbert EICH aus dem Ortsteil Rudolfshaus. Herr Eich war bereits bei der letzten Wahl zum Gemeinderat auf der Liste der "Wählergruppe Engbarth" geführt worden. Er hat sich nun zur Übernahme des Mandates bereit erklärt. 

Eine weitere Veröffentlichung hierzu wurde im Mitteilungsblatt der Verbandsgemeinde nicht gemacht. Man darf also gespannt sein, wer den noch freien Platz im Gemeinderat zukünftig (eventuell !!!) einnehmen wird.


Bruschied, 07.01.2023/p.a.

Sie bringen uns den Segen

Ja, sie waren wieder unterwegs. Auch in unserem kleinen Dorf klopften sie an die Türen und überbrachten so den Segen Gottes für die Menschen. Gemeint sind natürlich die Sternsinger. Schon Anfang Dezember hatten sie mit anderen Sternsingern ein Treffen in Kirn. Denn die Aktion will schließlich gut vorbereitet sein. Vorgestern trafen sich dann die Bruschieder noch einmal bei "Rosi". Denn vor dem großen "Auftritt" müssen die Gewänder noch einmal anprobiert werden.

Roswitha Jakobi ("Rosi") ist seit vielen Jahren die Anlaufstelle für alle Kinder, die bei dem alten Brauch des Sternsingens hier in Bruschied mitmachen möchten. 

Historisch gesehen steht der alte Heischebrauch des Sternsingens in enger Verbindung zum christlichen Ereignis der Geburt Jesu. Dort waren es drei Sterndeuter, die die drei bekannten Gaben "Gold, Weihrauch und Myrrhe" brachten. Später - etwa ab dem 8. Jhd. - wurden aus den Sterndeutern drei heilige Könige mit Namen "Caspar, Melchior und Balthasar". Sie standen übrigens stellvertretend für die drei Kontinente, die damals bekannt waren, nämlich Asien, Europa und Afrika.

Und auch die Namen dieser drei Könige sind mit Bedacht gewählt. Stehen doch deren Anfangsbuchstaben "C + M + B" für den lateinischen Satz: "Christus Mansionem Benedicat", was frei übersetzt soviel bedeutet wie: "Christus möge dieses Haus segnen".

Und so starteten die Bruschieder  "Heiligen Drei Könige" an der Pfarrkirche - pünktlich um 09.30h. Insgesamt waren es 18 Kinder. Ihr Motto für dieses Jahr lautete: "Kinder stärken, Kinder schützen - für Kinder in Indonesien und überall auf der Welt."

 

Das bei dieser Solidaraktion erbetene und eingesammelte Geld soll später für den Kinderschutz zur Verfügung stehen.

Nach einiger Zeit war der lange Weg durch unser Dorf vollbracht. Mittlerweile war es Mittag geworden. Bei "Rosi" gab es jetzt für alle engagierten "Drei Könige" ein leckeres Mittagessen. Anschließend wurden die Süßigkeiten verteilt, die man sich für den gezeigten Einsatz redlich verdient hatte. Wie sagte es eine Mutter so treffend: "Alle Kinder hatten richtig Spaß beim Sternsingen."

Gut, dass es in unserem kleinen Ort noch Menschen gibt, die mithelfen, diesen Brauch zu pflegen. Mütter, Väter, Unterstützerinnen und Helfer - und vor allem die Kinder. Setzen sie mit ihrer Segensaktion letztlich auch ein Zeichen für Solidarität, Hilfsbereitschaft und gemeinschaftlichen Zusammenhalt. 

 

Das verdient ein ausdrückliches und besonderes Dankeschön - gerade in der heutigen Zeit.



Bruschied, 02.01.2023/p.a.

Herzlichen Glückwunsch: Bruschied wird 1000

Ja, es ist schon eine besondere Zeitspanne. Allein dies verdient es als Jubiläum außergewöhnlicher Art bezeichnet zu werden.

Das Jahr 2023 markiert diese Zeitspanne für unseren kleinen Ort. Denn tausend Jahre zuvor tauchte "Proverstervoth" als Bezeichnung erstmals in einer "Urkunde" auf.

Dort nämlich findet sich der ungewöhnliche Name - neben anderen Ortschaften - in einer Art Güter- bzw. Ortsliste. Heinrich II. beurkundete darin für das  Kloster Maximin ein Besitztum gleichen Namens.

Richtigerweise muss man dazu erwähnen, dass es sich bei diesem Schriftstück um ein sog. "Spurium" handelt; also ein Schreiben, das verunechtet wurde, wie es in der Sprache der Urkundenlehre so ungewöhnlich heißt. Denn nachweislich ist es erst einige Jahrzehnte später als Abschrift angefertigt worden. Dennoch sollte am Datum 1023 kein Zweifel bestehen. 

"Proverstervoth" oder "Prubesdervot" lässt sich nach heutigem Sprachgebrauch in etwa mit Probsteigut übersetzen. Gemeint sind damit die Ländereien, die seinerzeit zum großräumigen Gutsbezirk des Klosters Maximin in Trier gehörten.

Über die Jahrhunderte hinweg lässt sich sogar ein bemerkenswerter Wandel in der Ortsbenennung feststellen. 

So wurde unser Dorf 1334 als "Proystrad" bezeichnet, 1508 war es zu "Proschidt" und 1556 zu "Pronschytt" geworden. 1754 erschien erstmals der Name "Bruschied", der bis heute Gültigkeit hat. Und so kann Bruschied in diesem Jahr auf eine tausendjährige Ortsgeschichte zurückschauen. Herzlichen Glückwunsch!

Abschrift der Urkunde von Heinrich II.
Abschrift der Urkunde von Heinrich II.



2022


Bruschied, 23.12.2022/p.a.

Paukenschlag und Schlussakkord ?

2 Gemeinderatsmitglieder haben Mitte Dezember ihr Mandat im Gemeinderat Bruschied niedergelegt.

Offenbar sind die Unstimmigkeiten rund um das Thema "Aufstellung eines Funkmastes" so bedeutsam gewesen, dass sie das sprichwörtliche "Fass" zum Überlaufen brachten.

Im Nachgang zum Treffen im Wiesenweg (siehe Bericht in der Dorfschell weiter unten.) war nämlich der Wunsch geäußert worden noch einmal mit Ortsbürgermeister Engbarth Kontakt aufzunehmen und in einem Gesprächstermin die Angelegenheit erneut zu erörtern. Dieses Treffen fand als sogenannte "interne Info" statt. So war es jedenfalls in einer örtlichen WhatsApp - Gruppe bekannt gemacht worden. Im Anschluss hatte man ggf.  weitere Informationen zum Ergebnis in Aussicht gestellt, die jedoch bis heute nicht veröffentlicht wurden. Stattdessen kam es Mitte Dezember zu den erwähnten Rücktritten.

Schade, denn die Ortsgemeinde verliert damit in ihrem wichtigsten Gremium zwei Personen, die sich immer mit großem Engagement, spürbarer Fairness und angemessenem Respekt für die Belange der Bürgerinnen und Bürger eingesetzt haben. 

 

Man darf nun gespannt sein, wer den Beiden (jetzt) folgen und in deren Fußstapfen treten möchte. 

Doch eine Frage bleibt trotzdem: Sind damit wirklich all die "Probleme" ausgeräumt, die zum Rücktritt der beiden verdienten Ratsmitglieder geführt haben?

Die Antwort hängt - wie so oft - vom Umfang und der Kenntnis der Faktenlage ab. Sie zeigt sich - von außen betrachtet - wie folgt: Es gab einen frühen Ortstermin am geplanten Bauplatz des Turmes (27.06.22); es gibt einen Ratsbeschluss (23.11.22); es gab das Treffen im Wiesenweg mit den betroffenen Bürgerinnen und Bürgern (03.12.22); dann das sog. "interne Info-Treffen"  (13.12.23) und schließlich der zeitlich nahe liegende Rücktritt der Ratsmitglieder (Mitte Dezember). 

Ach ja, eines lässt sich noch - so ganz allgemein - feststellen: Der Bau eines 60 Meter hohen Funkmastes in der Gemarkung Bruschied ist und bleibt doch wohl etwas Anderes, als die bloße Aufstellung z.B. einer Straßenlaterne. Eine professionelle Öffentlichkeitsarbeit zu  diesem Thema hätte hier für deutlich mehr Transparenz sorgen können und damit vielleicht auch für mehr Akzeptanz insgesamt.



Bruschied, 11.12.2022/p.a.

"Schlamassel, Plähd unn Schmuh"

Wer es nicht sofort versteht, dem sei gesagt, dass all diese "Ausdrücke" aus unserem Platt stammen. Sie stehen stellvertretend für die alte Geschichte, die diese Sprache unbemerkt erzählt.

Keine Frage: unser Bruschieder Platt wird immer seltener gesprochen. Es scheint ganz allmählich und leise zu verschwinden. Die Gründe hierfür sind sicherlich vielschichtig. Hier soll es aber um eine kaum beachtete Eigenart in unserem Platt gehen. Ein ebenso überraschend wie erstaunlich großer Teil der Wörter in unserer Mundart entstammt bis heute dem sog. "Jiddischen".  Diese spezielle Sprachausprägung reicht fast 1000 Jahre zurück und entstammt ursprünglich der westgermanischen Sprachenfamilie. Sie wurde vor allem von Menschen jüdischen Glaubens auch hier in Bruschied  gesprochen. Und so gelangten natürlich Teile des Jiddischen in die hiesige Alltagssprache, den lokalen Dialekt. Hier mal einige Beispiele, die manchen älteren Mitbürgerinnen und Mitbürgern noch bekannt sein dürften, anderen vielleicht eher weniger.

Das Wort "Schlamassel" ist vielleicht noch relativ bekannt. Bedeutet es doch soviel wie Unglück. Oder "mauscheln", was im Sinne von "jemanden irreführen" gebraucht wird. Der seltsame Ausdruck "Plähd" meint in spöttischer Art und Weise einen Glatzkopf. Wenn jemand "Schmuh macht", so zweigt 

 

er/sie etwas unter der Hand ab. In aller Regel wird er das wohl  "stiegum" oder "stiegem" tun, also heimlich. Das Wort "malochen" hat sogar seinen Eingang in die allgemeine Sprache von heute gefunden, bedeutete es doch ursprünglich einfach nur "arbeiten". Das Substantiv "Maloche" ist ebenso gebräuchlich. Und, wenn jemand reich war, dann war er oder sie "bedoucht" (hochdeutsch: betucht). Wer fleißig war und viel für die Schule auswendig lernen musste, der war am "bemschen".

"Tooge" ist heute nicht mehr so geläufig. Meint es doch "tasten bzw. ertasten" in bestimmten Lebenssituationen.  Bei älteren Bewohnern im Dorf hört man hin und wieder noch den Ausdruck "stichedungel", wenn es draußen allmählich dunkler und dunkler wird. Oder auch "jauker", was soviel wie "gewagt" heißt; es ist gebräuchlich im Sinne von: "Dat is ma doch zu jauker", was man übersetzen könnte in: "Das ist mir doch etwas zu gewagt".  

Diese wenigen Beispiele (wie auch viele Weitere) zeigen auf erstaunliche Weise, wie lange sich solche Dialekt-Besonderheiten in der Umgangssprache über Jahrhunderte hinweg gehalten haben. 

Doch mit dem allmählichen Verschwinden des örtlichen Dialektes wird auch das hiesige Platt nach und nach im Dunkel der Dialekt-Geschichte verschwinden. 

 



Bruschied, 04.12.2022/p.a.

Bruschieder Nikolaus versteht seinen "Job"

Ein kleiner Flyer machte bereits einige Tage zuvor darauf aufmerksam, dass in diesem Jahr der Nikolaus auf unserem Dorfplatz Station macht. Er hatte sich für den 04.12.2022, so gegen 16.30h, angesagt.

Kurz nach Einbruch der Dunkelheit ist es dann soweit. Er ist wirklich da. Schnell wird er umringt von Kindern und zahlreichen Erwachsenen. Sein typisch rotes Gewand und der lange weiße Bart machen schon ziemlich Eindruck auf so manches Kind. Erst recht dann, wenn er mit dunkler Stimme zu jedem von ihnen spricht. Und natürlich hat er auch für jedes und jeden der Kleinen ein überraschendes Geschenk dabei. Spätestens jetzt ist der erste verhaltene Eindruck vergessen und man kann die Freude in den Kinderaugen deutlich sehen. 

Aber auch für die Erwachsenen ist "vorgesorgt" worden. In Anbetracht der kalten Witterung gibt es wärmenden Glühwein, heißen Kakao (mit oder ohne Schuss) oder auch würzige Bratwurst vom Grill. 

Schade nur, dass gegen Abend verstärkt Regen einsetzte, so dass der Nachhauseweg früher angetreten werden musste, als ursprünglich geplant.

Aber wie auch immer. 

Fest steht: Der Bruschieder Nikolaus hat auch in diesem Jahr wieder seinen bekannt guten Job gemacht, wie man allgemein hören konnte.

Schön, dass der alte Brauch immer noch gepflegt wird.  



Bruschied, 03.12.2022/p.a.

Kleines Interesse - große Erkenntnisse

Am 03.12.2022, gegen 15.00h, versammelten sich 15 interessierte Bruschieder im Neubaugebiet "Wiesenweg". Darunter waren auch 3 Mitglieder des Gemeinderates Bruschied, nämlich Guido Fabian, Markus Heich und Patrick  Steina. 

Was war der Anlass? Auf dieser Internetseite gab es mit Datum vom 30.11.2022 einen Artikel zum Bau eines Funkmastes auf der Gemarkung. Ein Tag später konnten die Bruschieder ein Informationsblatt in ihren Briefkästen finden, das u.a. zu diesem Treffen anregte.

In lockerer, reger und sehr informativer Runde wurden alle anstehenden Fragen, geäußerte Bedenken und Wünsche gemeinsam und ausgiebig erörtert. 

Man merkte schnell, dass auch den anwesenden Ratsmitgliedern das anstehende Thema wichtig war. Reichten doch die angesprochenen Themen vom Anlagenbau über den Aufstellungsort,  die Inhalte des geschlossenen Vertrages, die Zuwegungsmöglichkeiten bis hin zu Fragen zur Abstimmung bei der Beschlussfassung selbst oder auch den schriftlichen Einladungsmodalitäten zur Ratssitzung vom 23.11.2022 im "Mitteilungsblatt". Jedes der Themen fand seine angemessene Berücksichtigung und ausführliche Erläuterung durch die Ratsmitglieder. 

 

Und so zeigte sich bei der Diskussion vor Ort auch, dass es den Wunsch nach größtmöglicher Offenheit und Information im Vorfeld wichtiger Entscheidungen gibt. Auch scheint es immer wichtiger zu werden nach moderneren Möglichkeiten gemeindlicher Kommunikation zu suchen - und dies gerade außerhalb der Präsenzangebote bei den Ratssitzungen. Nicht zuletzt gab es auch den Wunsch, dass die Ortsgemeinde eigene, zukunftsorientierte Projekte anstoßen möge.

 

Die unausweichlich kommenden Herausforderungen für unseren Ort werden gerade beim letzten Punkt zeigen müssen, inwieweit dies nicht nur Wünsche bleiben.



Bruschied, 30.11.2022/p.a.

Ortsgemeinde befürwortet Bau von Funkmast

Heute vor einer Woche hat die Ortsgemeinde Bruschied in einer öffentlichen Sitzung des Gemeinderates entschieden, dass sie die Weichen für den Bau eines Funksendemastes stellt - ihn also befürwortet.

In diesem Beitrag dazu hier einige Hintergrundinformationen mit ausgewählten Aspekten zum Thema.

Vertragliche Regelungen: Es wurde ein Nutzungsvertrag geschlossen zwischen der Ortsgemeinde Bruschied und der Fa. "Vantage  Towers AG". Letztere ist eine Tochter der Fa. Vodafone. Sie übernimmt den Bau der neu zu errichtenden Funktürme bundesweit. Vertragsbeginn ist Februar 2023 und Vertragsende Januar 2053. 

Örtlichkeit: Der Standort liegt auf dem Flur mit der Bezeichnung "Vorm Bann", also an der südwestlichen Grenze der Gemarkung, auf einem ca. 500 qm großen Areal. Hier soll ein Betonmast errichtet werden. Siehe dazu rote Markierung auf der dargestellten Karte. Übrigens: Die Fa. "Vantage Towers AG" baut neuerdings auch Funkmasten aus Holz, die später anderwärtig genutzt werden könnten.

Höhe, Antennen und Frequenzen: Die Masthöhe wird mit ca. 60 Meter angegeben. An dessen oberen Teil werden eine bis dato noch nicht bekannte Anzahl von Richtantennen angebracht. Diese arbeiten im Frequenzbereich von etwa 800 Megaherz (MHz). Damit sollen sie zwar eine relativ hohe Reichweite haben, weisen allerdings auch einen eher geringen Datendurchsatz auf. Die Funksignale erlauben es theoretisch - durch Wände hindurch, in Keller oder auch Wirtschaftsgebäude hinein - Verbindungen zu entsprechend ausgerüsteten Geräten aufzunehmen, die an das Internet "angeschlossen" werden können/sollen. Stichwort: Das  "Internet der Dinge".

Funkstandard: Glaubt man dem Chef von Vodafone Deutschland, dann wird zunächst nur der sog. 4G-Standard eingerichtet, so die Aussage in einem Interview mit der FAZ. Übrigens: Unser gesamter Ort wird bereits durch die Telekom mit 5G-Standard seit 2020 abgedeckt (Funkturm Schneppenbach).

Zufahrt/Wegenutzung: Der Funkmast muss natürlich über einen geeigneten Anfahrtsweg erreichbar sein. Die Strecke erfordert letztlich auch einen LKW-Verkehr. Es soll dazu der Feldweg entlang der Flure "Hinterwies, Flurwies und Klaveborn" bis zum "Vorm Bann" genutzt werden. Also vom Unterdorf (Schreinerei Stein) geradeaus über die Gemarkung bis zum Errichtungsort.

 

Finanzielles: Die Ortsgemeinde erhält laut Vertrag eine Miete von 300 Euro je Monat. Man geht grundsätzlich bei der Nutzung von 30 Jahren aus.

Genehmigungen: Für die eigentliche Baugenehmigung ist die Kreisverwaltung Bad Kreuznach zuständig. Die möglichen Umwelteinflüsse und deren Einschränkungen über Grenzwerte sind in der BImSchV (Verordnung zur Durchführung des Bundesimmissionsschutzgesetzes - Verordnung über elektromagnetische Felder) geregelt. Über die Einhaltung aller im Zusammenhang mit dem Betrieb der Funkanlage stehenden Parameter (z.B. der sog. Personenschutzgrenzwerte) wacht die Bundesnetzagentur. Sie tut dies u.a. durch periodische Messungen der Feldstärken. 

Man darf gespannt sein, wann Baubeginn sein wird.

Wer sich weiter im Netz zum Thema informieren möchte:

Einfach mal bei der Internet-Suche "Vodafone baut Funkmasten" eingeben oder auch den "Netzausbau der Telekom" aufrufen.

Auf der Internetseite der Bundesnetzagentur können z.B. auch die Daten von bereits im Betrieb befindlichen Anlagen eingesehen werden und Vieles mehr.

Klarstellung zum Schluss:

Dieser Artikel will keine Aussage darüber machen, ob der Bau des Funkmastes befürwortet oder gar abgelehnt werden soll. Er will aber über eine differenziertere Informationsmöglichkeit den Anstoß geben, sich mit dem Thema vielleicht näher zu beschäftigen. Denn das genau gehört ebenfalls zum Anspruch dieser Website mit der Überschrift "Dorfschell".

Karte aus Google Maps, Abruf: 30.09.2022
Karte aus Google Maps, Abruf: 30.09.2022


Bruschied, 12.11.2022/p.a.

"Martinus" kann den Weg zeigen

Welch ein Kontrast zwischen der heutigen Life-Style-Mentalität und der Botschaft des 17jährigen römischen Offiziers Martinus. Einerseits die Aufforderung unserer Zeit: "Nimm, was Du kriegen kannst!" und andererseits die Erfahrung: "Wer teilt, der erhält mehr zurück als er gegeben hat!" 

Letzteres scheint St. Martin bildlich vermitteln zu wollen.

Es ist Samstag. In Bruschied gehen heute die Kinder mit ihren selbstgemachten Laternen durchs Dorf und feiern St. Martin. 18 Uhr, jeden Moment startet der "Lichter-Umzug". Dann setzt die Musik ein. Man braucht wirklich nur wenige Takte, um zu erkennen, dass das alt bekannte "St. Martin-Lied" gespielt wird. Vorne weg reitet schon "St. Martin" auf seinem Pferd. Der Weg führt zunächst über einige Straßen durchs Dorf und dann hinunter zum Gemeinschaftshaus zur früheren alten Schule.

Der ehemalige Schulhof ist der ideale Ort für den Abschluss der Feier. Hier brennt bereits das knisternde Holz des  Martinsfeuers. Es gibt Weckmänner, Würstchen und - für die "Großen" - natürlich auch den schon obligatorischen Glühwein. 

Es tut gut die Gemeinschaft zu erleben, sich Zeit zu nehmen und gleichzeitig diesen alten Brauch bewusst zu pflegen.

Erinnert er doch ganz besonders daran, wie wichtig Hilfsbereitschaft gerade in unserer heutigen Zeit ist. Eine Zeit, die so vielschichtig und schnelllebig zu sein scheint wie nie zuvor - eine Zeit, in der kaum jemand noch Zeit hat für den oder die ANDERN.

 

Gerade hier zeigt St. Martin, dass eben Jeder und Jede - entsprechend der persönlichen Situation und Möglichkeiten -  trotzdem Zeit finden kann, dem Mitmenschen beizustehen.

Dann passiert plötzlich auch das, was das Licht der Laterne verspricht. Das Dunkel wird heller und heller, je mehr Lichter angezündet werden.

So auch bei der heutigen Feier. Deshalb ein dickes Dankeschön. Danke an alle, die diese Veranstaltung erst ermöglicht haben: die Ortsgemeinde, die Feuerwehr, die Helferinnen und Helfer aber auch an die Eltern und Kinder, die das Licht von St. Martin weitertragen.

 

 



Bruschied, 09.11.2022/p.a.

... sie soll an Wirken und Schicksal erinnern

Heute, um 14.00 Uhr, fand in der Evangelischen Kirche in Rhaunen eine besondere Gedenkveranstaltung statt. Die Initiatoren hierzu waren die Evangelische Kirchengemeinde Rhaunen, der Stumm-Orgel-Verein und der Arbeitskreis Stolpersteine. 

Es wurde Samuel BAUM gedacht, der in den 20iger und 30iger Jahren des letzten Jahrhunderts als Musiklehrer im Raum Rhaunen bekannt und angesehen war.

Musikalisch überzeugend intoniert wurde die Veranstaltung durch ausgewählte Musikstücke jüdischer Komponisten, deren Werke während der Naziherrschaft allesamt verboten waren.

Die Autorin Leona Riemann las aus ihrer Erzählung "Wann kommt Herr Baum" vor und gab dabei eindrucksvolle und bewegende Einblicke in das Leben und Wirken des Bruschieders. 

Zum Abschluss der Gedenkstunde erklang noch einmal die dreihundert Jahre alte und tongewaltige Stummorgel. Mit dem  "Wiener Praterleben", einem bis heute bekannten Ohrwurm,  sorgte ihr klangvolles Spiel dabei für reichlich Gänsehaut.

Im Anschluss ging es dann hinunter zur Salzengasse 9. Es ist das Haus, in dem Samuel Baum - in den 30iger Jahren - schon freudig zur Musikstunde erwartet wurde. Diesen Moment beschrieb die Autorin Leona Riemann in ihrem Buch so treffend mit dem Ausruf: "Wann kommt Herr Baum?"

Hier wurde - in Erinnerung an Wirken und Schicksal von Samuel Baum - eine Gedenktafel enthüllt.



Bruschied, 07.11.2022/p.a.

"Der Ruf des POW"

... nach 76 Jahren wieder entdeckt

Richtig - ein seltsam anmutender Titel für unsere "Dorfschell". Doch diese besondere Geschichte muss einfach Erwähnung finden: 

Es war im Laufe des Jahres 2022. Eine junge Familie hat ein älteres Haus im Ort erworben und ist engagiert dabei die ersten Renovierungsarbeiten durchzuführen.

Sie kommen zügig voran. Doch als die Arbeiten den Dachstuhl erreichen zeigt sich in einem dunklen Winkel des alten Gebälks ein kleines braunes "Fundstück".

Beim ersten Hinsehen war es nur ein alter Fetzen braunes Packpapier, das mit dem Staub der letzten Jahrzehnte bedeckt war. Vorsichtig wurde es ans Tageslicht gebracht. Die Überraschung war groß.

Es handelte sich um ein handgeschriebenes Heft, das die Aufschrift "Heimat, Lieder" trug. Dort finden sich 25 Gedichte, die zum Teil auf bekannte Melodien auch gesungen werden können.

Alle stammen aus der Feder von Peter Götz. Er war 1897 in Bruschied geboren worden und war von Beruf Maurerpolier. Mit 42 Jahren kam er an die Westfront und geriet 1944 in englische Gefangenschaft.

Die Gedichte stammen alle ausnahmslos aus der Zeit von 1944 bis 1946, wie Datum, Ortsangaben und Lagernummern belegen.

Sie zeigen eindrucksvoll, welch tiefe Gedanken den Gefangenen, Peter Götz, bewegten und was ihm - trotz seiner Situation - besonders wichtig schien. Es waren dies seine Frau, seine Hoffnung auf eine gesunde Heimkehr zu seiner Familie, die Gedanken an sein Heimatdorf Bruschied, sein fester Glaube sowie seine unerschütterliche Hoffnung, dass alles irgendwann ein gutes Ende nimmt und er gesund nach Hause zurückkehrt.

Die hier veröffentlichten Abbildungen zeigen auszugsweise zwei der 25 Gedichte, in denen der  Verfasser sich seine Hoffnungen und Wünsche im Gefangenenlager in England von der Seele schrieb.

POW steht für "Prisoner of War" - Kriegsgefangener
POW steht für "Prisoner of War" - Kriegsgefangener