Projekt "Dorfschell"



Bruschied, 10.11.2021/p.a.

"Das Martinsfeuer brennt wieder"

Es ist Mittwochabend und bereits dunkel geworden. Eigentlich nichts Besonderes zu dieser Jahreszeit. Irgendwie wie immer. Doch im Dorf ist Musik zu hören. 

Es ist ein alt bekanntes Lied mit dem eingängigen "Rabimmel, Rabammel, Rabumm". Ja, heute ist ja der St. Martinsumzug im Dorf. Und plötzlich erinnere ich mich daran, dass im letzten Jahr aufgrund der Corona-Pandemie das ganze öffentliche Leben nahezu stillstand.

Der Martinszug nimmt weiter seinen Weg durch unser kleines Dorf. Gut abgesichert von der örtlichen freiwilligen Feuerwehr. Er scheint  dieses Jahr irgendwie besonders lang zu sein. Seine vielen tanzenden Lichter - angeführt von "St. Martin" mit seinem weißen Pferd - bewegen sich gemächlich in Richtung Gemeindehaus. Immer begleitet vom Spiel des Bundenbacher Musikvereins. Dort angekommen füllte sich allmählich der alte Schulhof. Der Schein des knisternden Martinsfeuers taucht die Szene in ein flackerndes Licht. Noch während ich so ins Feuer schaue, denke ich bei mir: solche Tage und ihre gelebten Rituale sind wirklich unverzichtbar!

Sie sind wichtig - wichtig für die Dorfgemeinschaft  

 

und wichtig für die Menschen. Haben wir doch genau dies in den letzten Monaten leidlich erfahren müssen, wenn Gemeinschaft nicht mehr stattfinden kann. Und so scheint mir gerade der Martinszug ein Bild dafür zu sein, dass wir mit unseren Fest- und Feiertagen ein besinnliches Licht in der Hand halten, welches auch in schwierigen Lebenssituationen uns vorausleuchtet, so dass die Hoffnung nicht erlischt. Jetzt aber genug sinniert! Würstchen, Weck und Glühwein rufen. 

 

Ach ja, eines möchte ich keinesfalls vergessen. Ich sage danke; danke an all die Personen, die mit ihrer Unterstützung diesen Martinsumzug überhaupt erst ermöglicht haben.



Bruschied,11.09.2021/p.a.

Stolpersteine

Erinnerung - Mahnung und Aufgabe zugleich

Heute, um 09.00 Uhr, war es soweit. Auch in Bruschied werden "Stolpersteine" verlegt. Der Initiator des Projekts, Herr Gunter Demnig, kam eigens nach Bruschied um persönlich die kleinen Gedenktafeln anzubringen. Sein Projekt gibt es seit 1992. Mittlerweile wurden in 27 Ländern Europas die kleinen Tafeln zehntausendfach angebracht. 

Meist geschieht dies durch Einbau in den Gehweg, wo früher einmal Menschen jüdischen Glaubens mit ihren Familien in den angrenzenden Häusern gelebt haben, bevor sie in der NS-Zeit deportiert und ermordet wurden. 

Genau daran sollen die Steine erinnern - auch in Bruschied. Denn hier lebten damals die Familien "Dornhard" im Oberdorf und "Baum" auf dem Bannhof bis zum Jahr 1942. 

In Anwesenheit von Verbandsgemeinde-bürgermeister Jung, Ortsbürgermeister Engbarth, den Gemeinderatsmitgliedern sowie Bürgerinnen und Bürger von Bruschied wurden die "Stolpersteine" durch Herrn Demnig persönlich verlegt. Anschließend gab Herr Dr. Felbecker jeweils einen Einblick in seine Forschungsarbeiten zur Familiengeschichte der Bruschieder jüdischen Mitbürger und erläuterte in bewegenden Worten auch deren letzten Deportationsweg.

Nach Abschluss aller Verlege-arbeiten gedachte man gemeinsam der ermordeten jüdischen Mitmenschen in einer Schweigeminute. 

Es war deutlich zu spüren: hier kommt eine kraftvolle und mahnende Botschaft. Sie will uns mit Nachdruck an das erinnern, was geschehen kann, wenn der Mensch als Mensch nicht mehr respektiert und geachtet wird. Der Satz "Die Würde des Menschen ist unantastbar" (Art. I Grundgesetz)

bedeutet daher nicht nur die Erinnerung zu pflegen. Sie ist auch Mahnung und gleichzeitig ständige Aufgabe für Staat und Gesellschaft - also für uns ALLE!