Projekt "Dorfschell"



Bruschied, 18.01.2024/p.a.

Gertrud  mit heftigem Wintereinbruch

Ein ungewöhnlich intensiver Wintereinbruch hat Bruschied und die gesamte Region fest im Griff. Die eisigen Temperaturen ließen den Boden in den letzten Tagen gefrieren, und am 17. Januar 2023 setzte dann auch noch Regen ein, der alles in eine gefährliche Eislandschaft verwandelte.

Die Auswirkungen waren schnell spürbar: Straßen, Höfe und Gehwege waren durch die Eiskruste zu gefährlichen Rutschbahnen geworden. Die Sicherheit wurde zur Priorität, weshalb der Busverkehr eingestellt wurde. Schüler und Schülerinnen konnten Zuhause bleiben.

Die Situation verschärfte sich weiter, als in der Nacht zum 18. Januar 2023 Schnee fiel. Die bereits vereisten Straßen wurden nun zusätzlich von einer Schneedecke bedeckt, was die Verkehrslage weiter verschärfte. Erneut konnte kein Busverkehr stattfinden. 

Die Auswirkungen des Winterwetters spiegelten sich in zahlreichen Verkehrsunfällen wider, die sich auf den Straßen im Umland häuften, denn eisige Bedingungen machten das Fahren zu einer gefährlichen Herausforderung. 

Die örtlichen Straßenmeistereien hatten alle Hände voll zu tun und waren bemüht, die Straßen zu räumen und für Sicherheit zu sorgen.

Auch in den Medien wurde die Bevölkerung zur Vorsicht aufgerufen, und viele blieben sicherheitshalber daheim oder machten Home-Office, wenn möglich. Gertrud bescherte uns insgesamt eine ungewöhnliche Wetterlage, die unsere Region vor ungewöhnlich winterliche Herausforderungen stellte.



Bruschied, 15.01.2024/p.a.

Literarischer Schatz wiederentdeckt

Unser Bruschied war einst Heimat eines Priesters, der zugleich auch ein Künstler war.  Gemeint ist Pfarrer Dickel (1919 bis 1952 Priester in Bruschied), ein Geistlicher, der nicht nur seinen Dienst am Altar verrichtete, sondern auch als bemerkenswerter Autor und Theatermacher in Erscheinung trat. Er hinterließ der Nachwelt nicht nur seine Dorfchronik von Bruschied, sondern auch eine beeindruckende Sammlung verschiedener künstlerischer bzw. schriftstellerischer Werke. Einige davon konnten jetzt „wiederentdeckt“ werden.

Besonders hervorzuheben sind dabei drei literarische Werke: Das Trauerspiel "Heinrich, der letzte Graf von Schmidtburg", das Volksschauspiel "Mein Heimatdörfchen arm und schlicht", sowie das märchenhafte Werk "Noch strahlen die Sterne in der Nacht". Begleitet werden diese Stücke von einem Notenheft, das die musikalische Untermalung der einzelnen Charaktere und Facetten der Märchenwelt präsentiert.

"Heinrich, der letzte Graf von Schmidtburg" entführt in eine Zeit vergangener Pracht und Untergang. Das Trauerspiel in fünf Akten erzählt die Geschichte des letzten Grafen von Schmidtburg, der mit den Herausforderungen seiner Zeit kämpft und schließlich in einem dramatischen Finale seinem Schicksal begegnet. Pfarrer Dickel verstand es meisterhaft die Tragödie menschlicher Existenz in packende Worte zu kleiden und in eine fesselnde Inszenierung zu verwandeln.

Das Volksschauspiel "Mein Heimatdörfchen arm und schlicht" wirft einen einfühlsamen Blick auf das Leben in einem bescheidenen Dorf. In vier aufregenden Aufzügen werden die Höhen und Tiefen des alltäglichen Lebens geradezu zelebriert. Der Autor schafft es durch seine liebevolle Darstellung der Dorfbewohner und ihrer Geschichten eine tiefgreifende Verbindung zwischen Schauspiel und Dorfgeschichte herzustellen.

 

"Noch strahlen die Sterne in der Nacht" soll seine Zuschauer in eine märchenhafte Welt voller Elfen, Zwerge, Wunder und Geheimnisse entführen. Das Werk, in drei zauberhaften Bildern präsentiert, erzählt von einem magischen „Universum“, in dem die Sterne noch in der Dunkelheit ihre Strahlwirkung entfalten. Hier verwebt Pfarrer Dickel

 

gekonnt Fantasie und Realität zu einem faszinierenden Märchen, das das Potential hat, Jung und Alt gleichermaßen zu verzaubern. 

Das dazugehörige Notenheft zu diesen Werken hebt die kreative Vielfalt von Pfarrer Dickels Schaffen hervor. Die individuellen Melodien und musikalischen Motive, die den Charakteren und Aspekten der Märchen innewohnen, werden durch die Noten geradezu zum Leben erweckt. Die Wiederentdeckung dieser Werke aus Pfarrer Dickels Feder ist nicht nur ein Glücksfall für Kunstliebhaber, sondern lässt auch seine kreative Vielfalt erkennen. Denn sie vermitteln nicht nur kurzweilige Unterhaltung, sondern sind auch zeitlose Botschaften, die zur kulturellen Identität von Bruschied beitragen und ein Stück einer reichen Erzähltradition in unserem Dorf erkennen lassen.

Ein ganz besonderes Dankeschön gilt daher Frau Agnes Gewehr (Bad Sobernheim), die im Besitz dieser wertvollen Stücke war und die sie erfreulicherweise zur Verfügung gestellt hat. Dank ihr können wir heute einen Blick auf die literarische Vielfalt werfen, die Pfarrer Dickel einst geschaffen hat. Mein Dank gilt auch Herrn Dr. Felbecker für seine umfassende und tatkräftige Unterstützung bei der Digitalisierung.

 


Zum Schluss hier noch einige Zeilen aus dem Prolog zum "Heinrich, der letzte Graf von Schmidtburg":

 

Hoch auf grauen Schieferfelsen

ragt die Burg ins Tal hinein.

Ihre Hallen sind zerfallen

und verwittert ihr Gestein.

Dornen schlingen ihre Ranken

um geborsten mächt´ge Mauern,

die vom Sonnenschein umflutet

düster doch zum Himmel trauern.

Silberklare Wellen spielen

um den Berg im grünen Tal

und sie plaudern und sie plauschen

von vergangner Lust und Qual.

Leise Winde sanftes Wehen

durch die Büsche, durch die Bäume

heimlich ihnen sie berichten

alter Zeiten kühne Träume.

Laßt uns heute stille lauschen

was der Bach, der Wind erzählt,

und vor unserm Blick erstehen

einer längst versunknen Welt.

Die längst schlafen in den Grüften

sollen heute wieder leben

und von alten Heimlichkeiten

 

uns den dunklen Schleier heben. 

...


Bruschied, 06.01.2024/p.a.

Sternsingen in Bruschied

... zwischen Tradition, Glaube und sozialem Engagement

In unserem Dorf hat das Sternsingen im Laufe der letzten Jahrzehnte tiefe Wurzeln geschlagen. Diese alte Tradition, die zu Beginn eines jeden Jahres stattfindet, ist mehr als nur ein kulturell-religiöses Ereignis: sie schafft auch Gemeinschaft und verbindet uns auf eine besondere Weise.

Die Vorbereitungen für diese besondere Aktion begannen bereits am 3. Januar 2024, als sich engagierte Sternsingerinnen und Sternsinger bei Roswitha Jakobi versammelten, um alles Notwendige für den großen Tag der „Aussendung der Sternsinger“ vorzubereiten.

Denn das Dreikönigssingen ist geprägt von besonderen Momenten, wenn man mit glänzenden Sternen und festlichen Gewändern von Tür zu Tür geht. All dies will gut vorbereitet sein.

Die diesjährige Aktion steht unter dem allgemeinen Motto: „Gemeinsam für unserer Erde in Amazonien und weltweit“. Und natürlich überbringt man alle guten Wünsche für das „Neue Jahr“ sowie den traditionellen Segen für Haus und Bewohner. Die gleichzeitig dabei gesammelten Spenden kommen den genannten wohltätigen Zwecken zugute.

 

Deshalb gilt es DANKE zu sagen, danke natürlich an alle Sternsinger hier in Bruschied und all die anderen „Großen und Kleinen“, die geholfen haben, diesen schönen Brauch zu ermöglichen, damit er weiterleben kann. Denn das Sternsingen ist nicht nur eine alljährlich wiederkehrende Tradition, sondern es ist zudem ein Ausdruck von Solidarität und Nächstenliebe.

Ebenso werden wir alle daran erinnert, dass man gemeinsam sehr viel mehr erreichen kann und dass auch die kleinen Gesten des Wohlwollens eine bedeutende Wirkung entfalten können. 

 

Möge also das Sternsingen in Bruschied auch in den kommenden Jahren und Jahrzehnten eine lebendige Tradition bleiben. 



Bruschied, 01.01.2024/p.a.

Stiefelprotest

Ein klares Zeichen gegen steuerliche Veränderungen

Auch in unserem Dorf hat sich am Neujahrstag eine ungewöhnliche Form des Protests manifestiert: Der "Stiefelprotest". Am Ortseingangsschild, aus Richtung Hennweiler kommend,  hing ein Stiefel, eine stumme, aber eindrucksvolle Art seine Unzufriedenheit über die geplante Abschaffung der Agrardiesel-Steuerrückzahlung und der Kfz-Steuer-Vergünstigung auszudrücken.

Die Ursprünge dieses symbolischen Protests reichen zurück zu dem Zeitpunkt, als die politischen Entscheidungsträger im letzten Jahr den Wegfall dieser steuerlichen Anreize für landwirtschaftliche Betriebe beschlossen. Insbesondere die Agrardiesel-Steuerrückzahlung ist für viele Bauern von großer Bedeutung, da sie dazu beiträgt, die teils enormen Kosten für den Betrieb ihrer landwirtschaftlichen Maschinen zu mildern.

Ebenso schmerzhaft ist der Wegfall der Kfz-Steuer-Vergünstigung. Landwirte sind auf ihre Fahrzeuge angewiesen, sei es für den Transport von Ernteerträgen oder die Pflege ihrer Felder. Die Kosten für den Unterhalt dieser Fahrzeuge können oft erheblich sein. Die steuerlichen Erleichterungen sind natürlich eine Entlastung für die jeweiligen Betriebe. Der Verlust dieser Vergünstigungen setzt die Landwirte zusätzlichem finanziellen Druck aus, der sich negativ auf die  Wirtschaftlichkeit auswirken kann.

Der Stiefel als Symbol wurde nicht zufällig gewählt. Er steht quasi metaphorisch für die festen, oft auch schlammigen Wege, die die Landwirte täglich beschreiten, um Lebensmittel für uns als Gesellschaft zu produzieren. Die Anbringung an einem Ortsschild hebt die lokale Verankerung des Protests hervor und verleiht ihm auch geografisch eine ganz persönliche Note.

Es bleibt abzuwarten, wie die politischen Entscheidungsträger auf diesen ungewöhnlichen, aber kraftvollen und deutlich sichtbaren Protest reagieren werden. Man kann nur hoffen, dass die Botschaft Gehör findet und dass konstruktive Lösungen gefunden werden, um auch die Belange der Landwirte angemessen zu berücksichtigen.