Projekt "Dorfschell"



Bruschied,11.09.2021/p.a.

Stolpersteine

Erinnerung - Mahnung und Aufgabe zugleich

Heute, um 09.00 Uhr, war es soweit. Auch in Bruschied werden "Stolpersteine" verlegt. Der Initiator des Projekts, Herr Gunter Demnig, kam eigens nach Bruschied um persönlich die kleinen Gedenktafeln anzubringen. Sein Projekt gibt es seit 1992. Mittlerweile wurden in 27 Ländern Europas die kleinen Tafeln zehntausendfach angebracht. 

Meist geschieht dies durch Einbau in den Gehweg, wo früher einmal Menschen jüdischen Glaubens mit ihren Familien in den angrenzenden Häusern gelebt haben, bevor sie in der NS-Zeit deportiert und ermordet wurden. 

Genau daran sollen die Steine erinnern - auch in Bruschied. Denn hier lebten damals die Familien "Dornhard" im Oberdorf und "Baum" auf dem Bannhof bis zum Jahr 1942. 

In Anwesenheit von Verbandsgemeinde-bürgermeister Jung, Ortsbürgermeister Engbarth, den Gemeinderatsmitgliedern sowie Bürgerinnen und Bürger von Bruschied wurden die "Stolpersteine" durch Herrn Demnig persönlich verlegt. Anschließend gab Herr Dr. Felbecker jeweils einen Einblick in seine Forschungsarbeiten zur Familiengeschichte der Bruschieder jüdischen Mitbürger und erläuterte in bewegenden Worten auch deren letzten Deportationsweg.

Nach Abschluss aller Verlege-arbeiten gedachte man gemeinsam der ermordeten jüdischen Mitmenschen in einer Schweigeminute. 

Es war deutlich zu spüren: hier kommt eine kraftvolle und mahnende Botschaft. Sie will uns mit Nachdruck an das erinnern, was geschehen kann, wenn der Mensch als Mensch nicht mehr respektiert und geachtet wird. Der Satz "Die Würde des Menschen ist unantastbar" (Art. I Grundgesetz)

bedeutet daher nicht nur die Erinnerung zu pflegen. Sie ist auch Mahnung und gleichzeitig ständige Aufgabe für Staat und Gesellschaft - also für uns ALLE!



Bruschied, 17.08.2021/p.a.

Im alten Pfarrgarten wird gegraben

Wer heute an dem Ort des ehemaligen Pfarrgartens vorbeiging, der konnte beobachten, dass auf dem Gelände seltsame Löcher ausgehoben wurden. Zwei kleinere und jeweils ein größeres. Sie sind so angeordnet, dass sie eine Art Dreieck bilden. In einer Entfernung von etwa 30 Metern dann wieder das gleiche Bild.

Es war zwar nicht auf den ersten Blick zu erkennen, aber die Akteure (Markus Heich, Guide Fabian und Benny Behrend) folgten einem exakten Plan. Nach dem Aushub der rätselhaften Löcher ging es an den Zusammenbau verschieden großer und unterschiedlich langer Metallröhren. Ganz allmählich entstanden so zwei "Skulpturen", die jetzt erahnen ließen, dass sie die beiden Endpunkte einer Seilbahn auf dem dortigen Spielplatz sein werden.

Die Stabilität dieser Konstruktion lässt eine Tragkraft von bis zu 150 kg  - am Seil hängend -  zu.

Um sie jedoch sicher und fest in der Erde zu verankern, wird am kommenden Samstag mit weiteren zusätzlichen Kräften und dem entsprechenden Equipment betoniert werden.

Dann mag es wohl nicht mehr lange dauern bis die erste Fahrt mit der neuen Seilbahn gestartet werden kann.

 



Bruschied, 15.08.2021/p.a.

"Anna" ist mal wieder unterwegs

... es geht zum Bachspautzer

Heute war es wieder soweit. "Anna" ist wieder "on Tour". "Anna" ist das Maskottchen der wanderfreudigen Gruppe, die seit mehr als 20 Jahren besteht und nicht nur Mitglieder aus Bruschied und Rudolfshaus hat, sondern beispielsweise auch Teilnehmer aus Hahnenbach, Heimweiler, Bundenbach oder  Mörschied. Etwa alle 4 Wochen kommt man zu einer gemeinsamen Wanderung zusammen.

Der heutige Treffpunkt am Sportplatz Bundenbach ließ bereits erahnen wohin es "gehen" sollte. Das Ziel war wieder mit Bedacht ausgewählt. Es geht nämlich zum "Bachspautzer". So heißt die Figur, die im Zentrum von Rhaunen steht und dort in regelmäßigen Abständen in die "Bach spauzt", wie es hier so schön heißt.

Gegen 10.30h startete der Tross. Bei strahlendem Sonnenschein führte der Weg zunächst über die gut ausgebauten Feldwege in der Gemarkung Bundenbach und dann weiter am Waldrand entlang bis zur Bollenbacher Eiche. Hier bot sich die ideale Gelegenheit zu einer kleinen Rast bevor es alsbald zügig weiter ging. Irgendwie hatte man das Gefühl, dass es jetzt dem Ziel in Rhaunen etwas schneller entgegenging. Nicht nur, weil es fast Mittag war, sondern vielleicht auch, weil am Zielort kühle Getränke und leckeres Essen warteten. In der Gaststätte "Sarici" waren die Plätze nämlich schon reserviert. Das musste auch sein, denn "Anna" führte schließlich eine Gruppe von 20 Personen an.

So gut vorbereitet konnte man ausgiebig und ganz entspannt die verdiente mittägliche Wanderpause genießen. Die neuesten Neuigkeiten kamen dabei nicht zu kurz und es wurde viel gelacht. 

Kaum zu glauben, aber die Zeit für den Heimweg war schon wieder viel zu schnell gekommen. Wieder zurück am Ausgangspunkt waren sich alle einig, dass die nächste Wanderung in 4 Wochen sein soll. Wohin es dann gehen wird, das muss noch bekannt gegeben werden. Es stehen verschiedene Ziele zur Auswahl.

Übrigens: "Anna" ist eine kleine Ente, die immer bei Wanderungen von einer Person für ein Jahr mitgetragen wird bevor sie nach 12 Monaten zur nächsten Person "weiter wandert".

Eine solche verantwortungsvolle Aufgabe hat in diesem Jahr Gerhard Stein aus Bundenbach inne, der sie - stets humorvoll - mit seiner ganzen Wander-Überzeugung  gerne wahrnimmt.



Oberwesel/Bruschied, 01.08.2021/h.f.

Ein abendliches Konzert

...im Gedenken an Samuel Baum

Am 31.07.2021 fand im Klosterhof Oberwesel ein Konzert zum Gedenken an den aus Bruschied stammenden und in der Region bekannten und beliebten, jüdischen Musiker Samuel Baum statt. Er unterrichtete verschiedene Musikinstrumente wie Klavier, Horn und Violine, spielte auf Tanzveranstaltungen und seine Konzerte wurden gut besucht. Samuel Baum und seine Frau Johanna Bonnem wurden 1942 aus Bruschied deportiert und ermordet.

Bei Umbau des Hauses Heich in Bruschied – hier wohnte bis 1942 die Familie Baum – fand sich auf dem Speicher ein altes Notenheft. Es enthielt allerdings nur die Bassnoten von Tanzstücken wie Walzer, Polka, Rheinländer usw. Vermutlich stammte es von Samuel Baums Vater Simon. Die Familie Heich stellte die Noten über den Stumm-Orgelverein Rhaunen der Synagoge Laufersweiler zur Verfügung.

Christof Pies (Synagoge Laufersweiler) und Heiner Schneider (Stumm-Orgelverein Rhaunen) erläuterten, wie die Aufführung in Oberwesel möglich wurde. Leona Riemann las aus ihrem Erzählband die Geschichte „Wann kommt Herr Baum“ vor, welche die persönlichen Erfahrungen einer Rhauner Familie mit dem Musiklehrer Baum in den dreißiger Jahren bis 1942 behandelt.

Im Jahr 2020 wurden mit Förderung staatlicher und privater Stellen die fragmentarischen Musikstücke aus dem Notenheft um die fehlenden Stimmen kompositorisch von Peter Przystaniak ergänzt und vervollständigt. Die Uraufführung dieser musikalischen Rekonstruktion fand nun durch das Klezmer-Duo Gabriely / Przystaniak in Oberwesel statt. Das von den Zuhörern gefeierte Duo brachte weiterhin aus seinem umfangreichen Repertoire zahlreiche Stücke von Klezmer bis Benny Goodman zu Gehör.

Eine Wiederholung des Konzertes in Rhaunen oder Bruschied wäre sicherlich auf Grund des regen Zuspruches möglich. In diesem Zusammenhang sei an die Stolpersteinverlegung für die Familien Baum und Dornhard in Bruschied am 11.09.2021 um 9.00 h erinnert.

Die Fotos zeigen die ausgebuchte Veranstaltung in Oberwesel und das Baumsche Notenbuch, wie es aufgefunden wurde.