Kuriose "Fundstücke"

"...wenig gesittet, grob von Natur...zum Teil liederlich..."

Bruschied, 20.08.2014

Wie überraschend es doch sein kann, wenn man einmal in die Vergangenheit zurückschaut. So oder so ähnliche Gedanken schießen einem vielleicht durch den Kopf.

Informationen aus alten Schriftstücken und Chroniken werfen so manches Mal ein ganz anderes Bild auf Menschen und ihre Lebensumstände, als man es heutzutage glauben möchte.

 

Im Jahre 1913 verfasste der Autor, Antonius Jakobs, eine "Chronik des ehemaligen Hochgerichts Rhaunen", wie er es nannte. Er bemühte sich den Zeitraum von 841 bis 1913 zu erfassen.

Bei Studium dieser Chronik bemerkt der Leser auf den Seiten 41 und 42 eine recht seltsam anmutende Beschreibung des damaligen Amtes Schmidtburg von 1786.

Zu diesem Zeitpunkt gehörten - neben anderen Ortschaften - auch die beiden Ansiedlungen Bruschied und Schneppenbach zum Amt.

Und so verlangte die Beschreibung dieses Amtes sowohl eine zahlenmäßige Erfassung der Bewohner von Bruschied und Schneppenbach, als auch die Wiedergabe der Lebensumstände zum damaligen Zeitpunkt.

So heißt es dort (Zitat):

 

"Die Einwohner überhaupt sind wenig gesittet, grob von Natur, ziemlich arbeitsam, stark und gesund...

Bruschied ... Die Einwohner welche arbeitsam aber auch zum Teil liederlich sind, ernähren sich durchgängig aus dem Ackerland, außer welchem auch einige durch Wollspinnen für den im Ort wohnenden Zeugmacher ihren Unterhalt finden.

Schneppenbach ... Ihr Charakter ist schlecht, sie sind unbändig und ungezähmt, ungeachtet ihre Nahrung kümmerlich ist..."

 

Weiter unten können Sie die betreffenden Schriftstücke in Kopie einsehen.  Danke an Herrn Dr. Felbecker, der die in Kopie zur Verfügung gestellt hat.

Peter Altmayer

 


Wegen Bettelns ein Tag Gefängnis

Im Öffentlichen Anzeiger zum Amtsblatt der Königlichen Regierung zu "Coblenz" findet sich am 19. Juli 1853 ein Steckbrief zu einer Frau Katharina Lindenbaum aus Bruschied. Dort heißt es:


Steckbrief:

"Die unten näher bezeichnete Katharina Lindenbaum von Bruschied, hat sich der Vollstreckung einer gegen sie vom Königlichen Polizeigericht zu Kirn am 2. April 1852 wegen Bettelns erkannten eintägigen Gefängisstrafe durch Flucht entzogen.


Ich ersuche sämtliche Polizeibehörden, auf die Lindenbaum zu wachen, sie im Betretungsfalle zu verhaften und dem


Herrn Bürgermeister zu Kirn vorführen zu lassen.

Coblenz, den 12.Juli 1853"

Für den Königl. Ober-Prokurator

Der Königl. Staats Prokurator

Schneegans.

Signalement:

Alter: 28 Jahre; Größe: 4 Fuß, 10 Zoll; Haare: blond; Augen: hellbalu; Maße: gewöhnlich; Mund: ziemlich groß; Kinn: spitz; Sprache: stark, ein wenig durch die Nase.